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©WienTourismus/Lois Lammerhuber

Dress for Success

 


Der internationale Business-Dresscode ist eigentlich überall auf der Welt gültig. Eigentlich … denn ein paar Ausnahmen und Fallen gibt es schon, und die haben es in sich. Eine Einführung

 

Schuhe aus
Schuhe aus

Es ist nicht die Frage, welche Schuhe man anzieht – das meistert der Großteil der Geschäftsreisenden souverän –, sondern was passiert, wenn man sie auszieht. In vielen Ländern Asiens heißt es in traditionellen Restaurants „Schuhe aus“, so auch beim informellen Teil des Tages nach den Verhandlungen. Und was dann zutage tritt, ist hier und da beschämend. Vorstände mit Löchern in den Strümpfen? Lustige Peanuts-Socken? Alles schon passiert. Natürlich nicht auf japanischer oder thailändischer Seite. Dort weiß man um die Gefahren des sorglosen Griffs in die Sockenschublade und tauscht angeschlagene Modelle aus. So gilt es, vor einer Geschäftsreise die regionalen Gepflogenheiten zu prüfen und sich rechtzeitig mit den nötigen Kleidungsstücken einzudecken.


Achtung: underdressed!
Underdressed

Nur weil draußen 40 °C im Schatten und 100 % Luftfeuchtigkeit herrschen, gibt es keinen Grund, in den arabischen Emiraten in Sachen Förmlichkeit zu schwächeln – vor allem, wenn man davon ausgehen kann, vom Hotel über das Taxi und Restaurant bis zum Geschäftspartner überall eine Klimaanlage vorzufi nden. In Brasilien geht man sogar noch einen Schritt weiter: Wer sich das unausgesprochene Etikett „Executive“ anheften will, ist mit einem Dreiteiler besser beraten als mit einem Zweiteiler, wie ihn die einfachen Büroangestellten tragen.


Zu viel des Guten
Overdressed

Genau umgekehrt lautet die Grundregel für Norwegen: Im Büro herrscht ein egalitärer Umgangsstil und die dazu passende Kleiderordnung. Hauptsache sauber, alles andere ist nebensächlich. Männer mit Krawatte sehen in diesem Umfeld seltsam aus – oder eben wie der Deutsche, der seinen Business-Knigge nicht gelesen hat. Abends im Restaurant bietet sich dann die Möglichkeit zu einer weiteren Blamage: Locker und entspannt mit Jeans und T-Shirt, stellt der Geschäftsreisende überrascht fest, dass sich Norweger zum Dinner richtig rausputzen – gerne auch mit Krawatte. Weitere Überraschungen warten in Japan: Eigentlich bekannt für eine Extraportion Förmlichkeit, überrascht manch ein japanischer Kontakt vor Ort mit Hawaii-Hemd oder Poloshirt. Dahinter steckt die staatliche Cool-Biz-Energiesparkampagne: Ab Mai werden die Unternehmen und Behörden dazu angehalten, die Klimaanlagen auf mindestens 28 °C zu stellen und dafür den Dresscode zu lockern. Im September ist dann Schluss mit der lockeren Haltung. Die Krawatte darf wieder aus dem Schrank. Mittlerweile haben sich gut zwei Drittel aller Firmen dieser Politik angeschlossen.

 


Sag’s durch die Krawatte
Krawatten

Krawatte? Grundsätzlich ja! Aber nicht überall. Wie gesagt: Nicht in Norwegen, aber auch in Indonesien und Indien ist sie selten zu sehen. Diffi ziler ist die Lage in Großbritannien, wo sie unbedingt dazugehört, aber nur einfarbig, denn bestimmte Farb- und Streifenkombinationen lassen auf Club-Mitgliedschaften oder den Besuch eines britischen Internats schließen. Unbemerkt wird aus Herrn Grobe damit ein Ex-Schüler des Broughton College oder des Lion Clubs Exeter.

 


Öfter mal Farbe bekennen?
Geschäftskleidung

Immer nur in Schwarz oder Grau, das wirkt in manchen südlichen Ländern eher traurig. Gerne zieht man sich daher ein wenig farbenfroher an. Doch auch dies kann nur allzu leicht zu Missverständnissen führen. Knappe Kleidung in Rot ist in China dem Rotlichtmilieu vorbehalten, Gelb dagegen ist in Birma, Äthiopien und in manchen Regionen Mexikos die Trauerfarbe, in Brunei jedoch die Farbe des Königshauses. Grün hat in vielen Ländern eine religiöse Note, denn es ist die Farbe des Islam, in Peru wiederum generell die Farbe der Putzkräfte – auch keine Assoziation, die man auf der Vorstandsetage bemühen möchte. In Brasilien ist es die Kombination aus Gelb und Grün, die Ausländer eher nicht tragen sollten, denn sie ist der Nationalfl agge vorbehalten. Selbst der gedeckte braune Anzug ist nicht immer gerne gesehen und in Großbritannien tagsüber schlicht unüblich; abends dagegen dürfen die Schuhe nicht braun sein.

 


Gewagte Standards in Sachen Rock
Geschäftsfrau

Die internationale Grundregel für den BusinessRock lautet: Knie bedeckt, das ist sicher und unauffällig. Allerdings nicht in Indien, Pakistan und konservativen islamischen Ländern, wo nackte Beine nur selten das Sonnenlicht sehen. Dort ist die Geschäftsfrau besser mit einem langen Rock oder einer Hose beraten, vor allem wenn – wie bei Messen – Publikumskontakt besteht.

 

 

BUSINESS-DRESSCODES
  MÄNNER FRAUEN

Business Casual
(Business Brunch, Casual Friday)

Farbige Oberhemden, Polohemden oder Strickpullover mit Flanell- oder Leinenhosen. Keine Krawatte Modische Blusen, Pullover, Röcke und Baumwollhosen, off ene Schuhe sind o.k.
Business Formal
(übliche Kleidung im Büro)
Zwei- oder dreiteiliger dunkler Anzug mit Hemd, Krawatte und Lederschuhen in Schwarz oder Anthrazit; Grau oder Braun möglich. Kostüm oder Hosenanzug mit Bluse. Hautfarbene Strumpfhose und Pumps, Absatz max. sechs Zentimeter
Smart Casual
(Einladungen unmittelbar nach der Arbeit: Empfänge, Vorträge, Geschäftsessen)
Konservative Geschäftskleidung, keine Brauntöne. Direkt aus dem Büro kommend, darf man Krawatte und Sakko ablegen. Alternativ Hemd oder Poloshirt mit Flanellhose/ dunkler Jeans Rock oder Hose mit T-Shirts, modischen Tops oder Bluse, alternativ Sommerkleid oder Hosenanzug
Boardroom Attire
(Führungsetage)
Wie Business Formal, aber in sehr guter Qualität, gerne maßgeschneidert, wenige, hochwertige Accessoires  
Informal
(Abendveranstaltungen)
Dunkelgraue oder schwarze Anzüge Halblange, elegante Kleider
Semiformal
(Kontakt zur Chefetage, mit ext. Kunden)
Anzug mit Hemd und Krawatte Kostüm, Kleid oder Hosenanzug

Black Tie
(offizielle Abendanlässe oder Dinner)


Schwarzer Smoking, Doppelmanschetten, Kummerbund, Einstecktuch, schwarze Fliege, schwarze Schuhe
Schwarze, lange Robe, Abendtasche, Accessoires dürfen farbig sein
White Tie
(hochoffizielle Abendanlässe und Bälle)
Schwarzer Frack und Hose, weiße Weste, weiße Fliege, Stehkragenhemd, Lackschuhe Bodenlanges Abendkleid in Schwarz, Weiß oder Grau, geschlossene Schuhe und Seidenstrümpfe

Quelle: CWT Connect Magazin, Ausgabe 02/2016. Fotos: PR

 
GUT ZU WISSEN

In Japan, Thailand und einigen afrikanischen sowie arabischen Ländern wird traditionell am Boden gegessen. Mit ein wenig Glück führt der Gastgeber in ein solches Lokal, denn das ist ein Erlebnis. Da lohnt es sich, vorher einen Sitztest zu machen, ob das Outfit den Besuch eines traditionellen Restaurants überstehen würde